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Griechenland - helfen oder nicht?
Griechenland, ein Mitglied der europäischen Währungsunion, steht quasi vor dem Staatsbankrott. Es dürfte für das Land sehr schwer werden neue Staatsanleihen an den internationalen Märkten zu verkaufen. Gelingt dies nicht, könnte Griechenland seine alten Anleihen nicht mehr zurückzahlen und wäre technisch betrachtet bankrott. Die Kurse für Versicherungspapiere für griechische Staatsanleihen (CDS - Credit Default Spreads) sind extrem gestiegen und signalisieren den Stress im System. Der Euro ist in Folge dieser sich zuspitzenden Situationen an den internationalen Devisenmärkten seit Jahresbeginn dramatisch abgesackt.
Nun stellt sich die Frage, soll der Rest von Europa Griechenland helfen, oder lieber zusehen, ob die Griechen ihr Schulden alleine in den Griff bekommen. Die Kritiker der Währungsunion haben diese Problem vorausgesehen. Ohne eine einheitliche Wirtschaftspolitik könne kein Währungsraum existieren. Dieser Kritik wurde mit dem Maastricht-Vertrag Rechnung getragen. Staaten sollten sich nur bis 60 Prozent ihres Bruttouinlandsproduktes (BIP) verschulden dürfen. Ihre jährliche Kreditaufnahme bei maximal 3 Prozent des BIP liegen. Doch Griechenland verletzte diese Kriterien, unter anderem durch Zahlenschummelei und Finanzierungstricks.
Also keine Hilfe? Jetzt Griechenland zu helfen würde einige negative Effekte haben. Zunächst die direkten Kosten. Jede Milliarde die Deutschland an Griechenland überweist kann nicht in Deutschland ausgegeben werden. Zudem entsteht ein moralisches Problem. Wie soll die griechische Regierungen Sparmaßnahmen durchsetzen, wenn Europa als Gemeinschaft ohnehin mit Geld zur Verfügung steht? Weiterhin könnten sich Nachahmer einstellen, die ihre Staatsfinanzen ebenfalls nicht sanieren wollen und stattdessen auf Gemeinschaftshilfe setzen. Es entsteht eIn Trittbrettfahrer-Problem, oder wie die Finanzwissenschaft sagt, ein "moral hazard".
Was aber passiert, wenn Europa jetzt nicht hilft? Es droht ein weiterer Vertraunesverlust im Euro sowie deutlich höhere Zinsen für andere gefährdete Schuldnerstaaten wie Irland, Spanien oder Portugal. Zudem könnte es erneut zu einem Schneeballeffekt wie nach der Lehman Pleite kommen. Banken oder andere Finanzintermediäre, die griechische Staatspapiere in ihren Anlagebeständen halten, müssten diese abschreiben und erneut große Verluste ausweisen, es könnte zu weiteren Bankenpleiten kommen, bei denen auch Staatsgelder in Gefahr wären. Zudem könnte sich eine erneute Wirtschaftskrise/Rezession entwickeln.
Die kurzfristigen Risiken sind also hoch. Deshalb meine ich, Europa muss helfen. Allerdings muss Griechenland für diese Hilfe auch harte Gegenleistungen erbringen. Einsparungen, Verkauf von Staatsbeteiligungen müssen folgen. Zudem müssen die Kriterien des Maastrichter Vertrages auch und gerade in wirtschaftlich guten Zeiten eingehalten und streng überprüft werden. Strafen für eine Verletzung müssen hart sein, und langfristig muss es auch die Option geben können, ein dauerhaft schwaches Land aus der Währungsunion hinauswerfen zu können.
Geändert von Caja (10.02.2010 um 15:13 Uhr)
Die besprochenen Aktienanlagen und Investmentideen stellen lediglich meine persönliche Meinung zum aktuellen Marktgeschehen dar. Keinesfalls sollten Sie nur aufgrund des hier geschriebenen Postings Wertpapiere kaufen oder verkaufen. Kontaktieren Sie dazu ihren Finanzberater. Desweiteren werden alle Informationen aus vom Autor vertrauenswürdigen Quellen entnommen, dennoch kann es zu Fehlern kommen. So stellen die hier beschriebenen Sachverhalte keinesfalls notwendigerweise richtige Tatsachen dar.
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Aus meiner Sicht wäre eine zu grosse Hilfe der EU eher kontraproduktiv längerfristig gesehen. Denn das eigentliche Problem, an welchem die wirt. stärksten EU-Länder leiden, sind die überhöhten Staatsausgaben in der Politik meiner Meinung nach. Verglichen zur Schweiz ist der Berufspolitiker in der EU um ein Vielfaches mehr vertreten, d.h. dem Staat fallen zusätzliche Fixkosten an. Weiter sehe ich in der EU eine zu dichte Bürokratie - kein Wunder bei so vielen Beamten - , die einiges erschwert und eben eine riesen Summe an Ausgaben hinterlässt.
Genau eine solche untransparente Bürokratie lässt die Bürger das Vertrauen in ihren eigenen Staat verlieren, was unverwunderlich dazu führt, dass vermögende Bürger ihr Geld im Ausland deponieren, als dass sie horrende Steuern zahlen, welche in erster Linie als Lohn für die zahlreichen Beamten ausbezahlt werden und in zweiter Linie nicht sinvoll eingesetzt werden.
Ich denke nicht, dass es zum selben Ausmass käme, wenn Griechenland einen Staatsbankrott ankündigen würde, wie bei LB. Denn Griechenland war schon lange dafür bekannt, hoch verschuldet zu sein. Darum gehe ich davon aus, dass die Investments in dieses Land mit einer grösseren Sicherheit getätigt worden sind als Investments in Deutschland. Soweit ich weiss, ist die EZB weder an der finanziellen Unterstützung, noch an einem Staatsbankrott Griechenlands interessiert. Sie will gemeinsam mit den anderen europäischen Staaten einen generell geltenden Sparplan entwicklen. Ob sich dann jeder dran hält, sei so dahin gestellt, aber die Richtung ist aus meiner Sicht schon mal lobenswürdig.
Schliesslich liegt es beim Menschen, ob er seinen Emotionen widerstehen kann und somit die richtigen Entscheidungen für sein Land fällen kann. Wie beim Traden sind die bekanntesten Emotionen auch in der Politik Angst & Gier.
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Warum sollte eigentlich ein Vertrauensverlust in den Euro drohen, wenn Griechenland pleite geht? Eigentlich wäre ein Vertrauensverlust in den Euro zu erwarten, wenn die anderen Staaten Griechenland helfen.
Geändert von Chris (02.03.2010 um 09:42 Uhr)
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Griechenland begibt in der Gemeinschaft die Währung. Eine Staatspleite geht mit der Geldentwertung einher, da die Garantie die dem Geld zu Grunde liegt verfällt. Die Zentralbank hält zwar Vermögensgegenstände die aber weit kleiner sind als die der Staaten. Das eigentliche Vermögen liegt immer beim Staat. Bei der Golddeckung ist die Idee ja, dass das ausgebene Papier, genannt Geld, durch Vermögen in Form von Gold abgedeckt werden muss. Das bindet aber zu viele Ressourcen. So lange auf den Staat bzw. die Zentralbank verlass ist, sind die unnötig verschwendet, vor allem bei einer 100% Deckung.
Nun haben wir beim Euro offensichtlich den Spezialfall, dass mehrere Staaten eine Währung begeben. Das ist in der Geschichte einmalig. Da es keine richtige Kontrolle der Gemeinschaft über die Haushaltspolitik der Länder gibt, mussten am Anfang von den Beitrittsländern viele Versprechen abgeben, was auch einmalig ist. Erst kürzlich wurde offensichtlich, dass a) diese Versprechen von vorneherein nicht eingehalten wurden und b) keine wirksamen Instrumente der Gemeinschaft für diesen Fall vorliegen. Ich habe mich nicht genau damit beschäftigt, aber die Revisionen der Zahlen Griechenlands sind ziemlich dramatisch, sodass das vmtl. eher als Fälschung, denn als Resultat von Inkompetenz angesehen werden muss.
Wenn mehrere Staaten bankrott gehen würden, würde die Währung auseinander brechen und im extremen Fall wertlos werden, denn die finanzstärkeren Staaten hätte kein Anreiz mehr in der Währungsunion zu bleiben. Mir erscheint die ganze Sache aber ziemlcih aufgebauscht zu sein. Erst war immer die Rede vom Kollaps des Dollars, nun plötzlich vom Euro. Die Welt wird aber nicht untergehen. Der Markt denkt eben viel zu kurzfristig. Genauso wie die Presse und die Politik.
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Griechenland hätte im Extremfall ja auch die Möglichkeit um seine Geldprobleme zu lösen, indem einfach Geld gedruckt wird. Das wäre natürlich eine extreme Vorgehensweise, was dann passiert möchte man sich lieber nicht vorstellen.
Die besprochenen Aktienanlagen und Investmentideen stellen lediglich meine persönliche Meinung zum aktuellen Marktgeschehen dar. Keinesfalls sollten Sie nur aufgrund des hier geschriebenen Postings Wertpapiere kaufen oder verkaufen. Kontaktieren Sie dazu ihren Finanzberater. Desweiteren werden alle Informationen aus vom Autor vertrauenswürdigen Quellen entnommen, dennoch kann es zu Fehlern kommen. So stellen die hier beschriebenen Sachverhalte keinesfalls notwendigerweise richtige Tatsachen dar.
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Griechenland kann die Geldmenge nicht selbständig ausweiten. Die typische Monetarisierung der Schulden ist also nicht möglich.
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Das stimmt nicht. Rein praktisch könnte die Bank von Griechenland in Athen einfach Euro-Geldnoten drucken, dass tut sie ja heute schon, nur halt unter Kontrolle und Anweisung der EZB. Wenn aber der griechische Staat sich entschließen sollte der eigenen Notenbank den Auftrag zum Druck von Banknoten in Wert von x Milliarden Euro zu geben, wer sollte ihn hindern?
Das ist natürlich ein kaum realistisches Szenario, aber eine Lehman-Pleite hätten vor 2008 wohl auch nur sehr wenige Menschen für ein realitisches Szenario gehalten.
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Der Maastricht Vertrag vielleicht? Als ob sowas nicht gesetzlich geregelt wäre, wer wann welche Geldscheine druckt.
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Ein verzweifelter Staat kann auch zu verzweifelten Mitteln greifen. Ich schrieb aber bereits auch, das wäre eine extreme Maßnahme. Ich halte das auch nicht für wahrscheinlich, da Griechenland sich mit einem solchem Mittel langfristig wohl extrem schaden würde. Aber die Option, und möglicherweise die Androhung dieser Option in etwaigen Verhandlungen besteht natürlich.
im Übrigen, wieviel Wert die Griechen dem Maastrichter Vertrag beimessen haben sie mit ihren jahrelangen Zahlenbetrügereien ja schon grundlegend dargestellt.
Geändert von Caja (05.03.2010 um 11:26 Uhr)
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Hier kann man das nachlesen: http://www.ecb.eu/ecb/legal/pdf/fxac08115dec_002.pdf
"Die Europäische Zentralbank hat das ausschließliche Recht, die Ausgabe von Euro-
Banknoten innerhalb der Union zu genehmigen. Die Europäische Zentralbank und die nationalen
Zentralbanken sind zur Ausgabe dieser Banknoten berechtigt. Die von der Europäischen Zentralbank
und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten sind die einzigen Banknoten, die in der
Union als gesetzliches Zahlungsmittel gelten."
Griechenland hat genauso viele Rechte Geld zu drucken wie ich, nämlich keins.
"btw im 18. Jhdt gabs mW noch keine Zentralbanken. "
Wikipedia sagt was anderes (http://de.wikipedia.org/wiki/Zentral...8._Jahrhundert)
"Im Jahr 1609 wurde mit der Bank of Amsterdam die erste zentralbankähnliche Institution gegründet. "
Geändert von nofuture (05.03.2010 um 15:00 Uhr)
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